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Nach der Zerstörung von Susa belagerte Kaiser Friedich I „Barbarossa“ 1174 die Stadt Alessandria, die 1168 gegen seinen Willen gegründet worden war: Ein sehr harter sechsmonatiger Stellungskrieg brach aus. Der Widerstand der Einwohner zusammen mit dem Unwetter und der ungesunden sümpfigen Umwel t, retteten Alessandria, weil der Kaiser den Belagerungszustand aufhob.
Nach der Legende war die Stadt, die von einer Steinmauer umgeben und die aus Häusern mit Strohdächern bestand, im Begriff sich zu ergeben. Nur zwanzig Weizenkörner pro Person waren übrig geblieben, während das kaiserliche Heer sich sättigen konnte. Der Kaiser stieg jeden Tag auf den Hügel von San Salvatore auf, um die langsam sterbende Stadt aus der Ferne zu betrachten.
Auf die Mauer stieg jeden Abend ein Musiker, dessen süße Musik die umherpatrouillerenden Truppen aufhorchen ließ: Sie ließ die Soldaten an ihre ferne Heimat denken, so dass sie von Melancholie und Heimweh ergriffen wurden.
In der Burg lebte ein Bauer, namens Gagliaudo Aulari, der eine einzige zum Erschrecken magere Kuh besaß. Seitdem die Stadt im Belagerungszustand war, hatte er sie nicht mehr aufs Land führen können und dem guten Gagliaudo war bange, sie vor Hunger sterben zu sehen. Der Bauer beobachtete die gesunden Pferde des Kaisers und suchte nach einer Lösung. Als er in Gedanken versunken war, stellte der Stadtrat schmerzlich fest, dass ein einziger Sack Weizen übrig war und dass man daher keine andere Wahl hatte, als sich zu ergeben. Unterdessen klopfte Gagliaudo an die Tür mit der Kuh an der Leine und dem Hut in der Hand.
Er wollte einen Vorschlag machen, um die Stadt zu befreien. Obwohl Gagliaudo sicher weniger als Denkender sondern mehr als Tölpel bekannt war, hörte man ihm zu, und er erzählte von einem schlauen Trick mit dem er Barbarossa b etrügen wollte. Nach langen Auseinander-setzungen und mit der Erkenntnis dass ohnehin alles verloren sei, entschied sich der Stadtrat dafür.
Gagliaudo ließ seiner Kuh fast den ganzen Weizen fressen. Verhungernde Männer, Frauen und Kinder sahen wütend zu und die Wachen konnten nur mit großer Mühe einen richtigen Aufstand verhindern. Da der Bauer ein respektvoller Mensch war, versteckte er sich, um heimlich den restlichen Weizen zu essen.
Als das Tier satt war, führte er es bis zu einem Stadttor, erschrak es mit einem Schrei, so dass es die Flucht antrat und rannte ihm heulend hinterher: „Komm zurück! Du musst deinen Weizen zu Ende fressen!!“.
Bauer und Kuh gerieten ins feindliche Lager und mussten vor den Kaiser treten. Verwundert fragte Barbarossa, woher die beiden kamen. „Aus Alessandria, Majestät“ war die Antwort. „Was hat diese Kuh gefressen?!“, wollte der Kaiser wissen. „Weizen“ erwiderte Gagliaudo und zeigte auf seinen runden Bauch unter dem Mantel. „Du bist ein Lügner!“ schrie der Kaiser. „Wer mich anlügt, muss hingerichtet werden“. „Nein, Majestät, ich schwöre es, der Weizen ist ihr Futter“ sagte Gagliaudo „wir haben so viel davon, dass wir ihn auch Hunden und Schweinen zu fressen geben. Aber diese verdammte Kuh wollte mal wieder frisches Gras .. und ist weggelaufen“. Barbarossa war zornig und wollte die Kuh schlachten lassen, um nachzusehen, ob der Bauer gelogen hatte. Aber Gagliaudo, dem die Kuh am Herzen lag, überredete den Kaiser das Tier zu verschonen und lieber eine Weile zu warten, weil er auf jeden Fall bald die Wahrheit kennen würde: „Was hinein kommt, muss früher oder später auch wieder rauskommen“.
Bald entpuppte sich das Geheimnis. „Das stimmt also!“ rief der Kaiser aus. „In der Stadt gibt es genug zu essen, wenn sogar die Tiere damit gefüttert werden!“ Plötzlich protestierten die müden Soldaten laut und Barbarossa, der nun davon überzeugt war, dass die Belagerung noch lange dauern würde, entschloss darauf zu verzichten.
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