|
Geschichte der Stadt Alessandria
zwischen Tanaro und Bormida
1168 gegründet, erhält Alessandria im Laufe der nachfolgenden fünfeinhalb Jahrhunderte einen ähnlichen Grundriss wie die meisten italienischen und europäischen Städte. Die Hauptmerkmale, die seine mittelalterliche Eigenart kennzeichnen, sind der Befestigungsgürtel, der Fluss, die Mühlen und die Brücke: diese verbindet die zwei getrennten Stadtteile miteinander d.h. den größeren Teil auf dem rechten Tanaro-Ufer mit dem kleineren auf dem linken Ufer , damals „Bergolium“(Borgoglio) genannt.
Die erste Überschwemmung, von der die alten Stadtchroniken berichten, geht auf das Jahr 1174 zurück. Jenes Ereignis war nicht besonders unheilvoll für die Bevölkerung, weil die noch nicht völlig bemauerte Stadt durch den Tanaro und die Bormida von Kaiser Friedrichs I.(„Barbarossa“) Belagerung angeblich gerettet wurde. Während der Belagerung vereinigten sich die Einwohner der „Palea“-Ebene, um jenen lebenswichtigen Knotenpunkt des Geschäftsverkehrs zu erobern, der an der Einmündung der Bormida in den Tanaro lag.
Auch wenn die befestigte Stadt ihr militärisches Schicksal erneut bestätigte, offenbarte sie dank ihrer Lage am Fluss und an der Brücke die eigene wirtschaftliche Bedeutung. Durch Bewässerung konnten die landwirtschaftlichen Möglichkeiten rationeller ausgenutzt werden und der Handel auf dem Flussweg sowie alle irgendwie flussgebundenen Handwerkstätigkeiten wurden ausgebaut.
In der Nähe der Flussufer entstanden die fünf Kirchen der Umiliati , eines Laienordens , der die ersten Wollspinnereien eingeführt hatte, die dann sich als die blühendste handwerkliche Produktion der Stadt erwies.
Das Wasser des Tanaro und der Kanäle war unentbehrlich für die Arbeit der „gualcherai“, d.h. der Walker, die die wollenen Tücher herstellten.
Trotz der katastrophalen Überschwemmung im Jahr 1330 und der nachfolgenden lernten die Einwohner von Alessandria, mit beiden Flüssen zusammenzuleben, so dass die Müllerei bald zu den wichtigsten Tätigkeiten zählte.
Nach der savoyischen Eroberung legte der Utrechter Frieden 1723 die Aneignung von Alessandria dem savoyischen Königtum fest, während die Errichtung der Zitadelle im Jahr 1728 angeordnet wurde. Stadt und Land erschienen zum ersten Mal als zwei getrennte Welten, als Zeichen zweier verschiedenen Gesellschaftsklassen: die Adelsfamilien ließen ihre neuen barocken Residenzen bauen, die Bevölkerung des zerstörten Stadtteils „Borgoglio“ siedelte hingegen um.
Die Zitadellengründung beeinflusste also wesentlich die Stadtbaupläne der Architekten, die auf Erneuerung zielten; adelige Wohnsitze wurden an Stelle von alten mittelalterlichen Wohnblöcken errichtet.
Auf den Tanaro-Ufern entstanden anstatt niedriger Bögengänge und Häuser aus Holz und Stein, die von Fischern, Holzfällern und Kleinhändlern bewohnt waren, elegante und geräumige von Adel und Klerus geförderte Gebäude und Alessandria wurde eine barocke Stadt.
In der napoleonischen Zeit wurden die Stadtteile auf beiden Tanaro-Ufern ins Blickfeld genommen: Die Bürger vom Stadtteil „Rovereto“ mussten ihre Häuser verlassen und neue Befestigungsmauern wurden auf weiten Grundstücken des Stadtteils „Orti“ erbaut. Das Gesicht der Stadt änderte sich auch weil Napoleon den mittelaterlichen Dom sprengen ließ.
In der Zeit der Befreiungskriege – des sogenannten „Risorgimento“ – wurde nichts Nennenwertes durchgeführt außer der Befestigung aus militärischen Gründen der 100 m. weit von der Zitadellenbrücke entfernten Insel „Galaten“, die heute nicht mehr existiert.
In der Mitte des XIX Jahrhunderts ließen die öffentlichen Arbeiten und der Eisenbahnbau die Abwanderung vom Land wachsen und bewirkten ungleichmäßige, oft wechselnde Arbeitskräfte. Es ereignete sich auch ein Bevölkerungszuwachs in der Stadt (von 18.000 Einwohnern im Jahr 1848 bis 27.000 im Jahr1861), aber der Wohnungsbau nahm trotz der ausgedehnten, aus dem Abbau der napoleonischen Befestigungen zurück gewonnenen Oberflächen, keinen Aufschwung.
Der wichtige Eisenbahnknotenpunkt schob den Handelsverkehr und das Wohngebiet nach Süd, und verursachte die Umkehrung der jahrhundertelangen Abhängikeitsverhältnisse der Stadt zum Tanaro.
Eine Überschwemmung, die in die Geschichte des Flusses einging, fand am 6. November 1994 statt.
|